Cornelia Schlemmer
ZEITGENOSSEN - ZEIT GENOSSEN
Ausstellung im Kunstverein Bad Aibling
Galerie im Alten Feuerwehrgerätehaus
Cornelia Schlemmer - Malerei | Uta Eckerlin - Terracotta
Eröffnung | Sonntag, 16. August | 15 Uhr
Finissage mit Lesung | Samstag, 12. September | 16 Uhr
Ein Feuerwehrgerätehaus wartet auf seine Leute. Die Geräte stehen bereit, der Raum hält sich offen – für den Moment, wenn alles auf einmal beginnt. Auch Kunstwerke warten so: auf den Blick, der sie in Bewegung setzt und sie erzählen lässt.
Cornelia Schlemmer und Uta Eckerlin bringen an diesen Ort Arbeiten, die von Wasser und Feuer handeln, von Verbindung und Vergänglichkeit, von Menschen, die sich in ihrer Zeit verorten. Schlemmers Malerei befragt das Flüchtige: Oberflächen, Zwischenzeiten, Familienmomente – Augenblicke kurz vor oder nach der Veränderung, in denen sich die Menschen oder Zustände manchmal kaum noch fassen lassen. Eckerlin setzt dem die Skulptur entgegen – Gefäße und Körper, im Feuer gebrannt, die Gewicht haben, die standhalten, die auf ihre Bestimmung durch den Menschen warten.
Der Ausstellungstitel öffnet einen doppelten Boden. Man findet sich vor in einer Zeit, mit anderen. Aber Zeit zu genießen – innezuhalten, zu schauen, gemeinsam da zu sein – das ist eine Haltung. Vielleicht auch eine, die hier gut bekannt ist: das Wissen, dass Ruhe kostbar ist, weil sie nicht dauert.
Die gemeinsame Arbeit der beiden Künstlerinnen nimmt den konkreten Ort auf – spielerisch, ohne Didaktik, aber mit Neugier auf das, was dieser Raum erinnert und was er noch nicht gesehen hat.
JETZT ERHÄLTLICH
überall, wo es Bücher gibt:
FAMILIÄRE VERFLECHTUNGEN
Familienportraits - Jahrhundertgeschichten
105 Abbildungen
Mit autofiktionalen Texten
von Mirjam James
Kunsthistorische Einführung
zum Familienportrait:
Dr. Andrea-Martina Reichel
Über die Malerin:
Dr. Gerlinde Förster
Verlag Edition SchreibStimme.
Kunath & Tóth, Uster 2024
ISBN: 978-3-9525558-5-9
Über das Buch:
„Die Geschichten waren nicht zu Ende erzählt …"
Die Brandenburger Künstlerin Cornelia Schlemmer nahm die offenen Fäden auf, die die fragmentarischen Geschichten ihrer Familie boten. Offene Fragen, die nie geklärt wurden, erzählt sie malend weiter. Verfremdete Familienfotos mit typischen Motiven des 20. Jahrhunderts lassen die konkreten Personen und Geschichten zurücktreten zugunsten gesellschaftlicher Fragen: Wer sind wir, woher kommen wir, wohin gehen wir?
Ihre in London lebende Schwester Mirjam James nimmt den Faden ihrerseits auf und wandelt den künstlerischen Blick erneut in einen sprachlichen. Kurze Texte bringen ihre Perspektive aus dem Familienuniversum ins Spiel. Verflechtungen werden sichtbar, eine kollektive Ebene hinter der eigenen Familiengeschichte, Typisches.
Wir erkennen uns wieder in den Bildern und den Erinnerungen.
https://www.verlag.schreibstimme.ch/familiaere-verflechtungen
Über meine Kunst
Das Verbindende meiner Arbeiten, so verschieden sie durch ihre unterschiedlichen Genres und Stilmittel sind, ist das Interesse an Geschichte, an Geschichten, an biografischen Narrativen:
Bildfragmente setzen sich auf großformatigen Leinwänden ebenso zu einem neuen Ganzen zusammen wie in einer Lithographie; ein inszenierter Raum wird zur Bühne für kleine subjektive Erzählungen der Besucher; ein Dokumentarfilm porträtiert nicht nur den Mädchenchor, sondern erzählt anhand von einzelnen Protagonistinnen deren Erwachsenwerden. Und alles, was mich umgibt, womit ich mich beschäftige, hat schlussendlich wiederum Einfluss auf meine Malerei:
Familienbilder
Seit meinem Studium beschäftige ich mich in meiner Malerei mit meiner Familiengeschichte. Die Beschäftigung mit dem Vermächtnis der Kriegsgenerationen steht dabei im besonderen Fokus. Aber die Zeitzeugen selbst sind nicht mehr, ihre Geschichten klingen jedoch noch in uns nach. Und so versuche ich in meinen Arbeiten, dem Verschwiegenem und Ungesagtem eine Stimme zu geben, das nicht Sichtbare sichtbar werden zu lassen. Auf der Grundlage von Fotos und deren Verfremdung durch das Experimentieren mit verschiedenen Erzählmotiven und Gestaltungselementen erkunde ich die Möglichkeit, das Subjektive in eine objektive Sichtweise zu überführen.
Spiel mit mir
Zunehmend rücken auch „fremde“ Familiengeschichten in den Fokus der Malerei. Doch wie fremd sind sie eigentlich? Und wie erzählt man das Ungesagte? Das Unsagbare?
Auf der Leinwand eröffne ich für meine Malerei eine Bühne: Die Malerei hat ihr Eigenleben, Farbe läuft und findet ihren Weg, Bildfragmente sortieren sich neu, ergänzt durch Ornamente, Bildzitate aus den Medien, oder dem Motiv der Puppe, das immer wieder als Mischwesen in den Bildern auftaucht und den Blick erweitert, wie z. B. auf Biografisches meiner afghanischen Nachbarn, meines syrischen Kollegen oder unbekannter Protagonistinnen aus den Medien.
Inszenierte Landschaften
Mit allem was er tut, hinterlässt der Mensch, hinterlassen wir Spuren.
Wer die Spuren in der Landschaft zu lesen vermag, erfährt auch aus ihnen Geschichten. Bewusst inszeniert, sind es die Parks und Gärten, die zu allen Zeiten vom Menschen angelegt,
ihm zur Freude und Erholung diente. Und mit tanzenden Skulpturen schuf er sich seine Ebenbilder.
Mit dem Motiv der inszenierten Landschaft zu spielen, den Begriff weiter zu fassen und auf die
zufällige Ansammlung menschlicher Behausung, Fragmente einer Fabrik oder dem Arrangieren von Blumenbildern anzuwenden –
das stellt für mich eine weitere Dimension gemalter Geschichte(n) dar.
Stilles Leben
Die sichtbare Abwesenheit bei gleichzeitig fühlbarer Präsenz des Menschen kommt für mich auch im (arrangierten) Stillleben zum Ausdruck. Lautlose menschenleere Marktszenen bauen sich nicht allein auf. Selbst ein von Wind und Sonne gegerbter Tierschädel im Wüstensand lässt den Menschen ahnen, der diesen Schädel sieht und malt. Dabei darf es auch ganz selbstironisch zugehen und so auch die aufs Essen wartende Familie in den Schlemmerbildern imaginieret werden.
Cornelia Schlemmer
Vita
Referenzen
Ausstellungen
Interdisziplinär
Ankommen in Deutschland - Afghanistan im Herzen